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Deidesheim - Geschichte

Veröffentlicht in Städte

Geschichte der Weinstadt Deidesheim

In einer alten Siedlungslandschaft, wie jungsteinzeitliche, keltische und römische Funde zeigen, entstand auf der trockenen Vorhügelzone der Haardt während der Landnahmezeit durch die Franken im 5. bis 7. Jahrhundert Didinischaime/Didinesheim. Die Siedlung, die ihren Namen der Sippe eines gewissen Theotin verdankt, befand sich im östlichen Teil Niederkirchens. Ihr Begräbnisplatz lag westlich des heutigen Friedhofs, bevor er, vielleicht in karolingischer Zeit, um die Vorgängerin der heutigen Kirche verlegt wurde. Eine weitere Siedlungsstelle, etwa 500 m nördlich von Niederkirchen gelegen, hatte dagegen keinen Bestand und wurde, vielleicht im Zusammenhang mit der Gründung Deidesheims in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, verlassen. Als dritter, jedoch nicht auf Dauer angelegter Siedlungsplatz sind schließlich die "Heidenlöcher" auf dem Kirchberg westlich von Deidesheim zu nennen, die als Fliehburg gegen einen auf bewegliche Kriegsführung bedachten Gegner im 9. oder 10. Jahrhundert, möglicherweise auf Resten einer älteren Anlage errichtet wurden.

In Didineschaime besaß das Benediktinerkloster Weißenburg einen Hof, wo ihm am 01. Juni 699 Erimbert seine Güter im Seille-, Saar- und Moselgau vermachte. Auch die Klöster Lorsch und Fulda sowie der Bischof von Worms hatten im Dorf Besitz. Größter Grundherr aber waren die Widonen, die Vorfahren der Salier. Die Größte der Gemarkung und wohl auch der hier betriebene Weinbau machte Didinesheim für das mächtige Geschlecht, das die Grafenwürde in Lothringen innehatte, zu einem wertvollen Besitz. Nach der Jahrtausendwende gelang es aber Bischof und Domkapitel von Speyer immer mehr Güter in Didinesheim zu erwerben und sie, wie auch das Dorf, später in das Fürstbistum zu überführen.

An die Bedeutung Didinesheim erinnert noch heute das Gotteshaus von Niederkirchen, das zwischen 1060 und 1080 wohl von der Speyerer Dombauhütte errichtet wurde. Aus dieser Zeit sind noch das Querhaus und die Vierung sowie der mächtige viereckige Vierungsturm erhalten, der zu den frühesten seiner Art in Mitteleuropa zählt.

Im Jahre 1250 zerstörte König Konrad IV. in Auseinandersetzungen mit seinem Gegenkönig Wilhelm von Holland, zu dessen Verbündeten auch der Bischof von Speyer gehörte, Didinesheim. Wohl bald danach errichtete dieser etwa zwei Kilometer westlich des Dorfes eine Wasserburg, die zur Keimzelle von Deidesheim wurde. Die verkehrsgünstige Lage an der von Worms ins Elsaß führenden Straße boten günstige Voraussetzungen für die Entwicklung der neuen Siedlung.

Sie übernahm den Namen der Muttergemeinde, obwohl diese weiterbestand und mit ihr bis 1819 eine Gemeinde bildete. Zunächst unterschied man die beiden Dörfer in Ober- und Niederdeidesheim, doch setzten sich nach dem Bau einer Filialkirche im oberen Deidesheim am Ende des 13. Jahrhunderts die heutigen Bezeichnungen durch.

Angesichts der günstigen Entwicklung von Deidesheim erlaubte Bischof Gerhard von Ehrenberg im Jahre 1360 dessen Bürgern, zur Finanzierung der bereits begonnenen Ortsbefestigung eine Steuer auf Wein zu erheben. Doch unterblieb damals noch die förmliche Erhebung der Stadt. "Diese schwer verständliche Verzögerung mag zum einen an den inneren Krisen gelegen haben, die das Hochstift belasteten; zum anderen mag sie aber auch aus Kontroversen mit der benachbarten Kurpfalz zu erklären sein, hat man doch pfälzischerseits die Arbeit an der Befestigung Deidesheims gar nicht gerne gesehen, und der König, beziehungsweise Kaiser hat – falls er überhaupt darum gebeten wurde – in dieser Situation gewiss mancherlei Rücksichten davon absehen lassen, ein entsprechendes Privileg anzufertigen." (K. Andermann). Erst Bischof Nikolaus von Wiesbaden, einem getreuen Gefolgsmann des Pfälzer Kurfürsten Ruprecht III., stellte König Wenzel am 14. Februar 1395 das Stadtrechtsprivileg für Deidesheim aus. Es begünstigte den Stadtherrn, nicht die Bürger und bedeutet im Grunde nur den formalen Abschluss einer Entwicklung, die schon mit der Gründung Deidesheims nach der Mitte des 13. Jahrhunderts, spätestens aber mit dem durch den Bischof geförderten Bau einer Ortsbefestigung eingeleitet worden war. Denn Deidesheim besaß vor der Stadterhebung bereits eine wirtschaftliche, wie administrative Zentralfunktion, die ihm städtische Qualität verlieh. An der rechtlichen Stellung seiner Bewohner änderte die Stadtrechtsverleihung jedoch nichts, sie blieben weiterhin Leibeigene des Bischofs oder anderer Herren. Noch 1790 wies Bischof Damian August von Limburg-Styrum die Forderung der Deidesheimer nach Aufhebung der Leibeigenschaft schroff zurück.

In den Jahren zwischen 1440 und 1480 ließen die Bürger der Stadt sowie der hier ansässige und begüterte Adel, vielleicht durch eine Speyerer Bauhütte, ein stattliches neues Gotteshaus errichten, wobei sie sich die Architektur der Bettelordenskirchen zum Vorbild nahmen. Den zweiten gotischen Sakralbau der Stadt errichteten Handwerker aus Niederbayern. Es ist dies die Kapelle des Spitals, das auch heute noch Wohnstätte für alte Menschen ist, so wie es sein Stifter, der Ritter Nikolaus von Böhl, im Jahre 1494 bestimmt hatte.

Wie im Hochstift Speyer, so konnte sich auch in Deidesheim die Reformation nicht durchsetzen. Zwar wirkten hier mehrere evangelisch gesinnte Geistliche, doch wurden sie stets nach kurzer Zeit vom Speyerer Domkapitel, dem das Patronatsrecht zustand, wieder abberufen. Allerdings wohnten im Hof des Zisterzienserklosters Otterberg seit dessen Aufhebung durch den Pfälzer Kurfürsten im Jahre 1562 evangelische Verwalter.

In den zahlreichen Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts hatte Deidesheim viel zu leiden. Während des Dreißigjährigen Krieges hielten mansfeld'sche Söldner als Verbündete des Kurfürsten von der Pfalz, Spanier, Schweden, Kaiserliche und Franzosen die Stadt besetzt. "Freunde" und Feinde erhoben Kriegssteuern, leerten Speicher und Keller und stahlen die Trauben von den Rebstöcken. Während des pfälzischen Erbfolgekrieges (1688 – 1697) fiel Deidesheim der Entfestigung des Rheinlandes durch die französischen Truppen zum Opfer. Am 26. September 1689 wurde es niedergebrannt. Die Bevölkerung suchte zunächst im Wald Schutz, floh aber im folgenden Jahr nach Bensheim und Heppenheim an der Bergstraße. 1693 kehrte sie wieder zurück, so konnte sie mit dem systematischen Aufbau der zerstörten Häuser erst nach dem Friedensschluss beginnen. Markantestes Zeugnis dieses Wiederaufbaus ist das Rathaus mit seiner 1722 errichteten Freitreppe. Im Herbst 1792 besetzte die Rheinarmee des revolutionären Frankreich das Gebiet bis zur Nahe und mit ihm auch Deidesheim.