Headerbanner

 

Waldkirch - Geschichte

Veröffentlicht in Städte

Geschichte und Entwicklung der großen Kreisstadt

„Dieses oesterreichisch Staettlein ligt zwo Stund von Freyburg und im Bryßgaew, ist schoen von Gelegenheit“. Diese Feststellung, aufgestellt von dem bekannten Geographen Matthäus Merian im Jahre 1644, zeigt, dass bereits in früheren Zeiten die Stadt Waldkirch eine Anziehungskraft besaß, von der bis zum heutigen Tage nicht viel verloren ging. Heute ist Waldkirch eine Stadt mit einem sehr hohen Freizeit- und Wohnwert, mit vielfältigen Möglichkeiten für Freizeit, Ferien, Sport und Kultur.

Waldkirch - am Anfang standen die Benediktinerinnen

Waldkirch kann eine über 1.000-jährige Geschichte vorweisen. Sie beginnt als zwischen 912 und 918 das Benediktinerinnenkloster St. Margarethen von Herzog Burkhard I. von Alemannien und seiner Gattin Reginlinde gegründet wurde. Ab 994 stand dieses Kloster unter kaiserlichem Schutz, zu welchem das gesamte Elztal mit allen Bewohnern, Tälern und Gewässern sowie einige weiteren Rechten gehörte. Nach dem Tod der letzten Äbtissin und wegen fehlender Insassinnen wurde St. Margarethen 1431 in ein Chorherrenstift umgewandelt und blieb dies bis zu seiner Säkularisation im Jahre 1806. Dieser gesamte frühere barocke Kloster- und Stiftsbezirk, in dessen Mitte die von Peter Thumb nach dem Voralberger Münsterschema im Jahre 1732 erbaute St. Margarethen-Kirche steht, zeigt die Dimensionen der Ausbreitung des mittelalterlichen Klosters und zeichnet sich im heutigen Stadtbild deutlich ab. In dem früheren Propsteigebäude ist heute das „Elztalmuseum - Museum für Regionalgeschichte und Orgelbau“ untergebracht. Dort werden nicht nur Zeugnisse zur politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Vergangenheit von Stadt und Umgebung aufbewahrt, sondern es ist auch eine umfangreiche Sammlung an mechanischen Orgeln und Orchestrien ausgestellt.

Mittelalterlicher Knotenpunkt zwischen Elsass und Schwarzwald

Von Kaiser Otto III. bekam Waldkirch das Recht, zu seiner Verteidigung und Vertretung nach außen einen geeigneten Vogt als Schutzherrn zu nehmen. Ab dem 12. Jahrhundert traten nun in dieser Funktion die Herren von Schwarzenberg als Freivögte auf. Ab dem Jahr 1289 residierten sie über der Stadt auf dem Castelberg und der dort erbauten Kastelburg, die im Laufe der Jahrhunderte vielfachen Besitzerwechsel erlebte und manch eine Geschichte erzählen kann. Auch heute noch thront diese weit sichtbare Burgruine über der Stadt und zeugt davon, wie mächtig das frühere Geschlecht der Schwarzenberger war. Am 08. August 1300 erteilten diese der Siedlung Waldkirch das Stadtrecht, welches sich an das Freiburger Recht anlehnte und sicherten sich somit eine militärische und wirtschaftliche Schlüsselstellung im aufstrebenden Elztal, dass damals als Handelszentrum zwischen dem Schwarzwald und Elsass fungierte.

Ruine Kastelburg - weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt Waldkirch

Seit dem Jahr 1476 ist in Waldkirch die St. Anna-Bruderschaft bekannt, deren Bestehen als erster Hinweis auf das Vorhandensein des für die Stadt so wichtigen Gewerbes der Edelsteinschleifer anzusehen ist, welches nun auf eine über 500 Jahre alte Tradition und Geschichte zurückblicken kann und immer noch in der Stadt nicht nur sichtbar ist, sondern auch noch ausgeübt wird.

Im Laufe der Jahrhunderte richtete sich das Erwerbsleben der Stadtbewohner - abgesehen von den Standardgewerben - nach den jeweils am Ort vorherrschenden wirtschaftlichen Besonderheiten. Im Hochmittelalter war es der Bergbau, der im heute kleinsten Ortsteil Suggental, vielen Nahrung und Wohlstand brachte. Doch mit der Zeit wurde der Erz- und Silberbergbau unrentabel, so dass man diesen einstellte. Anschließend kamen die Tuchwebereien, um ab 15. Jahrhundert von den bereits erwähnten Edelsteinschleifern abgelöst zu werden. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts verhalf der Stadt ein neues Kunstgewerbe zu neuerlicher Blüte. 1799 siedelte sich in der Stadt der Kirchenorgelbauer Matthias Martin, mit dem in der Stadt der Orgelbau Einzug hielt. Drehorgeln, Straßen- und Jahrmarktorgeln sowie Orchestrien wurden in alle Welt geliefert. Die damalige Bedeutung Waldkirchs für die (weltweite) Orgelindustrie zeigt sich daran, dass sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts französische Orgelbauer in der Stadt ansiedelten. Erst der Siegeszug von Rundfunk und Grammophon sowie die Weltwirtschaftskrise im 20. Jahrhundert machten diesem prosperierenden Handwerk ein Ende. Nach einer wechselhaften Geschichte erlebt der Orgelbau in Waldkirch eine Renaissance und hat sich in den letzten Jahren zum Mekka des Dreh- und Jahrmarktorgelbaus entwickelt. Heute gibt es wieder einige Firmen, die die Tradition des Waldkircher Orgelbaus weiterführen.

Meisterstücke der Technik - Waldkircher Orgeln

Was den Freiburgern ihr Schauinsland ist, das ist für Waldkirch (mit seinen Ortsteilen Buchholz, Kollnau, Siensbach und Suggental) der sagenumwobene Kandel. Der 1243 Meter hohe Waldkircher „Hausberg“ eignet sich für vielfältige Freizeitmöglichkeiten. Doch nicht nur auf dem

Kandel gibt es zahlreiche Möglichkeiten sich auszutoben. Seit den 1950er Jahren gibt es am westlichen Stadtrand mit dem Stadtrain ein Naherholungsgebiet, in dem nicht nur ein Park bzw. Kur- und Sportanlagen entstanden, sondern auch in der heutigen Zeit weitere Attraktionen hinzukommen. So kam 2008

als neuste Errungenschaft der Waldkircher Naturerlebnispark mit dem Baumkronenweg mit seinem 1,2 km langen Sinnespfad und Europas längster Röhrenrutsche hinzu.

In der heutigen Zeit werden von der Stadt Initiativen ergriffen, die Stadt attraktiver zu gestalten. Waldkirch wurde am 05. Mai 2002 in die „Internationale Vereinigung der lebenswerten Städte - cittaslow“ als erste Stadt in Baden-Württemberg aufgenommen, bei der es um eine nachhaltige Umwelt- und Entwicklungspolitik, die Erhaltung der Kulturlandschaft und Förderung regionaler Produkte geht.

In aller Munde: Waldkirchs Fasnet

Auch das „Kläppern“ gehört zum Stadtleben dazu. Während der „fünften Jahreszeit“ regiert die alemannische Fasnet in der Stadt, was sich nicht nur an dem Narrenbrunnen im Rathausinnenhof unschwer erkennen lässt, sondern auch durch die Tradition des Kläpperns. Dabei bekommen die Waldkircher Fasnetslieder ihre eigene Note durch die rhythmischen Handbewegungen kleiner Buchen- oder Eichenholzbrettchen, den so genannten Kläpperle.

Große Kreisstadt seit 2009

Nachdem die Stadt Waldkirch erstmals zum 31. März 2003 die magische Grenze von 20.000 Einwohnern erreicht hatte, fanden erste Überlegungen statt, ob Waldkirch beim Innenministerium Baden-Württemberg den Antrag stellen soll, zur Großen Kreisstadt erklärt zu werden. Um in diesen Rang erhoben zu werden, müssen mehrere Faktoren erfüllt werden. So ist nicht nur die Einwohnerzahl entscheidend, sondern auch die vor Ort vorhandene Infrastruktur, die Entwicklung der Stadt und die Leistungsfähigkeit der Stadtverwaltung müssen stimmen. Da man die weitere Entwicklung beobachten wollte, entschloss man sich im Gemeinderat, die Entscheidung erstmals zurück zu stellen. Im Jahre 2008 war es nun so weit und der Gemeinderat kam nach der Abwägung aller Vor- und Nachteile zu dem Ergebnis, den Antrag für die Erhebung Waldkirchs zur Großen Kreisstadt zu stellen. Mit Wirkung zum 01. Januar 2009 wurde die Stadt in den Rang der Großen Kreisstädte erhoben und ist heute eine von insgesamt 91 so genannten Großen Kreisstädten in Baden-Württemberg.