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Wirsberg - Geschichte

Veröffentlicht in Städte

Wirsberg ist Cittaslow seit 2007

Zu den ersten Spuren einer Besiedlung in Wirsberg zählen Tonscherbenfunde aus dem 11. Jahrhundert, die auf dem Terrassenturmhügel der Theresienhöhe, hoch über Wirsberg, gesichert wurden. Die den Walpoten zugeordnete, aus der Zeit um 1000 stammende Turmhügelanlage wird als die Vorläuferin der von den Andechs - Meraniern um 1200 erbauten Wirsberger Burg am Schlossberg bezeichnet. Der Name des Ortes taucht erstmals 1231 auf mit den Brüdern "Albert und Eberhart von Wirtesperc", die als Zeugen des Herzogs Otto VII. von Meranien genannt sind.

1234 sind "Albrecht und Eberhart von Wirtesperc" Zeugen einer Beurkundung, durch welche Herzog Otto II. von Meranien dem Kloster Diessen eine Schenkung macht. 1248 wurde Wirsberg erstmals urkundlich als gräfliche, orlamündische und markgräfliche Burg erwähnt.

Ob das bekannte Adelsgeschlecht der "Herren von Wirsberg" dem Ort seinen Namen gegeben hat oder umgekehrt, ist nicht bekannt. Am 10. April 1687 starb das Adelsgeschlecht derer von Wirsberg mit Phillipp Christian von Wirsberg auf der Burg Lanzendorf aus. Bedeutende Vertreter der Adelsfamilie von Wirsberg waren: Äbte im Kloster Langheim, Äbtissin Magdalena im Kloster Himmelkron, Domherren in Würzburg, Feuchtwangen, Eichstätt, Bamberg und Regensburg. Mehrere Herren von Wirsberg waren deutsche Ordensritter. Der bedeutendste von allen Wirsbergern war Friedrich von Wirsberg (wohnhaft in Glashütten bei Bayreuth), der als Fürstbischof in Würzburg Geschichte schrieb. Als Gründer des "Pädagogium" war er der Vater des heutigen "Wirsberg - Gymnasiums" in Würzburg.

Wurde Wirsberg ursprünglich auf Fürstbischöflich - Bambergischem Grund gebaut, so fällt es Mitte des 14. Jahrhunderts an die Burggrafen zu Nürnberg und damit an die Markgrafen von Kulmbach - Bayreuth. Diese statteten Wirsberg mit Stadtrechten aus und erhoben es zum Markt. Das Vogteiamt Wirsberg im Osten der Herrschaft Plassenberg - Kulmbach besaß noch bis in das 16. Jahrhundert einen eigenen Amtmann und von der Herrschaft eingesetzten Vogt. 1406 verkauften die Nürnberger Burggrafen ihre Veste Wirsberg, den Markt, die Dörfer Neufang, Sessenreuth, Osserich, Birkenhof und das Halsgericht Cottenau an die von Wallenroth. Während Wirsberg unter markgräflicher Herrschaft stand, war das benachbarte und später nach Wirsberg eingepfarrte Weißenbach bischöflich bambergisch. Gehörte Wirsberg zunächst zur Pfarrei St. Jakob in Marktschorgast, so stieg Wirsberg 1433 zu einer eigenen Pfarrei auf. Die Wirsberger Burg fiel im Bundesständischen Krieg 1554 den einfallenden Truppen zum Opfer. Wenn heute täglich um 14.00 Uhr die Glocken der St. Johanniskirche läuten, dann erinnern sie an eines der schrecklichsten Ereignisse des 30-jährigen Krieges, das Wirsberg heimsuchte: am 1. Februar 1633, mittags um 14.00 Uhr, fiel der kroatische Oberst Corpitz mit seiner Reiterei in Wirsberg ein, ließ den Amtsvogt und viele Bürger erschießen, zwei Stunden lang die Häuser plündern und die Kirche, das Pfarrhaus sowie 46 Häuser, 25 Scheunen, das Brauhaus sowie alle Kirchenbücher, Ratsschriften und Lehensdokumente niederbrennen. Der Wiederaufbau dauerte bis zum Jahre 1700. 1889 wurde das erste Kaiserdenkmal Bayerns errichtet. Dieses Mahnmal für den Frieden erinnerte an den siegreichen Feldzug gegen Frankreich 1870/71 und war Ausdruck der Freude darüber, dass alle Wirsberger Kriegsteilnehmer lebend in ihre Heimat zurückgekehrt waren. 1872 wurde der Wirsberger Verschönerungsverein gegründet und damit der Grundstein für den Aufbau des Wirtschaftszweiges Fremdenverkehr gelegt. Mit dem Bau eines Badhauses, einer Molkenkuranstalt, eines Freibades und romantischer Wanderwege mit Aussichtspavillons entwickelten sich die ersten Freizeiteinrichtungen in der Region. Die beiden Weltkriege brachten viele Gefallene, Verwundete und Vermisste. Zahlreiche Einquartierungen fremder Soldaten wirbelten das dörfliche Leben gewaltig durcheinander. Mit dem Einmarsch der US - Truppen am 16. April 1945 kehrte auch die Demokratie in das Gemeindeleben zurück. 1961 wurde Wirsberg offiziell zum Staatlich anerkannten Luftkurort ernannt. Mit dem Aufbau einer zentralörtlichen, bürgerfreundlichen Infrastruktur ging eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Tourismuswirtschaft einher. Einer der Höhepunkte war der Bau des neuen Waldschwimmbades mit der längsten, freischwebenden Wasserrutschbahn Frankens (117m). Seit 1983 erfreut sich Wirsberg bundesweit als Geheimtipp für Brautpaare großer Beliebtheit. Im "Hochzeitsparadies", "1. Hochzeitsdorf Deutschlands" und "Hochzeitsdorf im Grünen" gaben sich seitdem weit über 2.300 Brautleute ihr Ja - Wort.

Zählten die Wirsberger Granitwerke von Adam und Hans Müller früher mit Hunderten von Arbeitsplätzen zu den Zentren der oberfränkischen Granitindustrie, so fielen diese einst blühenden Steinwerke inzwischen dem Strukturwandel zum Opfer.

Als moderner Wirtschaftsstandort hat sich Wirsberg vorrangig durch das Familienunternehmen "Textilwerke Wilhelm Kneitz AG" einen Namen gemacht. Die 1911 gegründete Plüschfabrik entwickelte sich unter dem Alleinvorstand Wilhelm Kneitz zu einem der leistungsfähigsten Automobilzulieferer für deutsche und europäische Automarken.

Zu einer weithin bekannten Privatklinik für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie wurde das von Dr. Eduard Margerie 1912 gegründete Sanatorium für Nervenkranke im Kosertal unter der Regie von Dr. Wolfgang Pinkow - Margerie ausgebaut.

Was im Jahre 1889 als Gasthaus gegründet und 1895 mit einer Postexpedition bereichert wurde, hat sich im Laufe der Jahrzehnte zum Inbegriff für ein familiäres Hotelambiente fränkischer Gästetradition gemausert: das Posthotel der Familie Herrmann am denkmalgeschützten Marktplatz. Dort, wo im Jahre 1924 Honoratioren in gemütlicher Runde das Colloquium Historicum Wirsbergense, den größten Geschichtsverein Frankens gründeten, gehen heute Unternehmer, Künstler, Musiker, Schauspieler, Politiker, TV - Promis und begeisterte Gourmetfreunde ein und aus, um sich von den kulinarischen Künsten des Fernsehkochs Alexander Herrmann und seinem Team verwöhnen zu lassen. Auch das Hotel Reiterhof der Familie Eckert auf dem Rottacker, hoch über Wirsberg, überzeugt mit stilvoller Gastlichkeit und gewinnender Behaglichkeit.

Die Wirsberger Gastronomie und Hotellerie kann auf viele Auszeichnungen verweisen. Auch der "Slow City - Marktflecken Wirsberg" selbst konnte in der jüngsten Vergangenheit zahlreiche Ehrungen entgegennehmen: Familienfreundlicher Urlaubsort, Baumfreundliche Gemeinde, Behinderten- und seniorenfreundliche Gemeinde", Sonderpreise "Schöneres Dorf" und "Gastliches Bayern".

Zusammen mit der Nachbargemeinde Neuenmarkt bildet Wirsberg das Unterzentrum "Neuenmarkt - Wirsberg".